Archiv 2005
Wir denken, dass ein Unternehmen nicht nur für die Zukunft, sondern auch von der Vergangenheit lebt. Also stellen wir auf dieser Seite auch Newsartikel die nicht mehr ganz aktuell sind zur Verfügung. So sind alle interessanten Ereignisse unserer Firma aus der Vergangenheit auch in Zukunft nachlesbar.
Raus damit - keine Partikel im Öl
Kein Brancheninsider wird bestreiten, dass deutsche Hydraulikkomponenten auf dem Weltmarktklar den Ton angeben. Pumpen, Ventilblöcke, Speicher und Motoren sind ungeschlagen. Doch sie sind nichts, wenn sie nicht von sauberem Öl durchströmt werden. POW traf sich mit den Experten der RT Filtertechnik um sich über den Stand der Technik, Einsatzbesonderheiten der verschiedenen Filtersysteme in der Mobilhydraulik und über Trends zu informieren.
Bei RT ist seit dem 01. April 2005 Hydac aus dem saarländischen Sulzbach als Mehrheitseigner beteiligt. Die Marke RT, Profil und Führungspersonal bleiben unter Leitung von Dr. Gundolf Landwehr erhalten – man ergänzt sich, speziell auch bei mobilen Anwendungen. Das Unternehmen beschäftigt in Friedrichshafen und bei seiner Tochter in Weimar rund 65 Mitarbeiter und ist mit verschiedensten Filtersystemen nach dem Prinzip „von innen nach außen“ (gemeint ist die Durchflußrichtung des Öles durch die Filter) am Markt. Peter Botka, Technischer Leiter betont, dass die Filtrationstechnik in den vergangen fünf bis zehn Jahren für eine rund zwei Klassen bessere Ölreinheit gesorgt hat – wohlgemerkt bei gleicher oder längerer Filterstandzeit.
Und damit sind wir schon beim Thema. Die Hersteller von Bau- und Landmaschinen, Flurförderzeugen und Spezialmaschinen arbeiten an Lifetime-Ölfüllungen, was ihnen nämlich speziell bei Fullserviceverträgen feste Kalkulationsgrundlagen verschafft. Da kommt der Filtertechnik eine sehr wichtige Rolle zu. Neue Kombinationen der bisherigen Filtermaterialien sollen den Durchflußwiderstand verringern und den Abscheidegrad erhöhen, magnetische Filterkerzen, bei RT Standard, scheiden metallische Partikel ab und geben zudem per Sicht einen guten Überblick der jeweiligen Ölsituation und schließlich sollen immer kompaktere Gehäuse den veränderten Randbedingungen in der Maschinenkonzeption (verringertes Ölvolumen, größere Kühler) Rechnung tragen.
Wer sich für Filtertechnik vom Bodensee entscheidet, kann zwischen:
- Saugfiltern,
- Leitungsfiltern
- Rücklauffiltern
- Saug-Rücklauffiltern
- sowie einem umfangreichen Zubehörpaket
wählen. Die Saugfiltration kommt für Maschinen mit schwieriger Tankgeometrie in Frage, da die Produktionsspuren nie ganz aus dem Tank zu entfernen sind, sollten bei ihr möglichst wenige Partikel ins System gepumpt werden. Um das zu gewährleisten hat RT spezielle Saugfilterelemente entwickelt, die bei geringstem Durchflusswiderstand bestmögliche Ölreinheit erreichen. Rücklauffilter filtern das gesamte Öl permanent. Bis auf das Lecköl werden sämtlichen Ölströmen schädliche Partikel entzogen. Saugrücklauffilter eignen sich primär für geschlossene Systeme. Besonders bei rotatorischen Antrieben können sie ihre volle Wirkung entfalten. Sie haben den Vorteil, dass das Öl vom Filter nicht in den Tank, sondern mit Überdruck der Pumpe zur Verfügung gestellt wird. Das hochenergetische Öl erhöht den Systemwirkungsgrad beträchtlich. Besonders hier kann das patentierte Ölleitsystem von RT seine Trümpfe ausspielen. Dank der besonderen Führung im Filtergehäuse wird Öl, das mit Luft vermischt ist (Öl enthält durchschnittlich 9 Vol% Luft, durch Undichtigkeiten oder funktionsbedingt gelangt weitere Luft ins System) je nach Anreicherungsgrad getrennt weitergeleitet.
Luftarmes Öl gelangt zur Pumpe und sichert dort einen kavitationsfreien Betrieb und das mit Luft angereicherte Öl wird direkt in den Tank geleitet. Allen Filtern von RT ist gemein, dass sie serienmäßig mit einer Magnetkerze ausgerüstet sind, die Teilchen bis 0,1 Mikron anzieht. Übrigens nicht nur ferromagnetische Partikel, auch Aluspäne, Kunststoffteile und andere Materialen werden durch die Adhäsionswirkung an der Kerze angelagert. Eine Reinigung ist schnell und einfach – zudem gibt die Anreicherung an der Kerze einen guten Überblick über Grad und Art der Verunreinigung des Systems – auch ohne teure Ölanalyse.
Sind die Filter in mobilen Anwendungen mit den vorgenannten Aufgaben schon bestens ausgelastet, so haben ihre Kollegen in stationären Anwendungen mit einer weiteren Besonderheit zu kämpfen. Die neuen ZAF-Öle (zink- und aschefrei Öle) neigen aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung verstärkt zu elektrostatischen Aufladungen, die erhebliche Probleme bei der Filtration machen können. Insbesonders betroffen sind die vielfach propagierten voll veraschbaren Kunststoffelemente. Elektrisch leitende Filterpatronen mit speziellen Kombinationen sind das probate Mittel. Die Entwicklung dieser wichtigen Komponenten hat man mit der Fluidtechnik Weimar fest im Griff – an einem großen Prüfstand werden dort sämtliche Einsatzparameter simuliert.
Kommen die Filtersysteme meist als integraler Bestandteil der Maschine zum Anwender und sind schwer gegen andere Systeme austauschbar, so ist die Beschaffung von Ersatzpatronen auf dem grauen Markt, wo sie bis zu 30 % bil-liger sein können, immer wieder eine Versuchung für kostenbewußte Betreiber. Auch RT kämpft mit diesen Problemen. Kopierer aus Spanien, der Türkei, Indien und Asien bieten optisch vergleichbare, jedoch im Detail mangelhaft aufgebaute Produkte. Vermeintliche Kosteneinsparungen werden so durch programmierte Langzeitschäden schnell zu erheblichen Mehrkosten. Nicht um sonst verliert man bei vielen Herstellern sämtliche Garantieansprüche bei Einsatz solcher Nachbauprodukte.
Künftige Trends
OEM´s wollen das Condition-Monitoring immer umfangreicher einsetzen. Motoren, Getriebe, Pumpen, Steuerungen und andere Komponenten kommunizieren in modernen Mobilgeräten heute per CAN-Bus mit der herstellerspezifischen Steuerelektronik – auch Filter als „crucial part“ sind da gefordert. Die Sensorik für Druck, Temperatur und weitere Parameter ist auf dem Wege. Frank Philippin und Peter Botka wissen um diese Thematik und sehen „intelligente Filter“, die zum Dialog bereit sind, als klaren Trend. Sie werden kommen und zwar in den nächsten fünf Jahren – nicht für alle, aber für besonders teure und weltweit eingesetzte Baumaschinen, die schon heute per Telemetriesystem mit ihrem Erzeuger in Verbindung treten können. Weiterer wichtiger Trend sind die immer weiter reduzierten Ölmengen. Diese Entwicklung verstärkt die Einsicht, dass in modernen Systemen mit optimierten Ölmengen der Kühlung und Filtration in einer Gerätekombination eine große Zukunft bevorsteht. Damit beantwortet sich auch die Frage nach dem Produktlebenszyklus – etwa drei bis fünf Jahre. Zwar verändern sich die Basiskonzepte nicht so stark – umso mehr Entwicklung findet bei den Filterelementen statt. Diese werden auf immer unterschiedlichere Einsatzbedingungen diversifiziert. (oba)
